Zuviel Dünger auf dem Feld, geht erst ins Wasser, dann ins Geld“

Zuviel Dünger auf dem Feld, geht erst ins Wass­er, dann ins Geld“ – mit diesem Slo­gan aus ein­er Kam­pagne des Umwelt­min­is­teri­ums fasst Erhard Dem­mer, Frak­tionsvor­sitzen­der der Kreis­grü­nen, die Beratun­gen sein­er Frak­tion mit den bei­den größten Wasserver­sorg­ern im Rhein-Kreis Neuss, der Kreiswerke Greven­broich GmbH und der Stadtwerke Neuss GmbH, zum Nitrat­prob­lem im Trinkwass­er zusam­men.

Zusam­men mit Dr. Jörg Kaulitzky, dem tech­nis­chen Leit­er der Kreiswerke, stellte Geschäfts­führer Ste­fan Stel­ten her­aus, dass es sich beim Trinkwass­er um ein gut überwacht­es, qual­i­ta­tiv hochw­er­tiges Lebens­mit­tel han­dele. Die Zusam­menset­zung des Trinkwassers der drei Wasser­w­erke sei auf der Inter­net-Seite der Kreiswerke immer online ver­füg­bar.

Da der Gehalt der Nitrat­be­las­tung von den Kul­turen in der Land­wirtschaft abhängig sei, wirken Gewässer­schutzber­ater (land­wirtschaftliche Berater) darauf hin, dass die Land­wirte eine bes­timmte Pflanzung mit Zwis­chen­frücht­en zur Stick­stoff­bindung (Nitrat­min­imierung) vornehmen. Für diese Koop­er­a­tion mit der Land­wirtschaft wür­den die Kreiswasser­w­erke jährlich 150.000 € aus­gegeben.

Dr. Kaulitzky sagte, dass es eine inten­sive Betreu­ung einiger durch die Land­wirtschaft verur­sacht­en Prob­lem­bere­iche in der Wassergewin­nung gebe, im gemis­cht­en Trinkwass­er für die Ver­brauch­er aber die Gren­zw­erte weit unter­schrit­ten wür­den. Ob der seit 2004 sta­bile Wasser­preis weit­er gehal­ten wer­den könne, hänge auch von den Kosten des Trinkwassergewin­nung ab.

Auch für Stephan Lom­metz, Geschäfts­führer der Stadtwerke Neuss Energie und Wass­er GmbH, ist dies eine offene Frage. Er betont, dass das Trinkwass­er im Ver­sorgungs­ge­bi­et der Stadtwerke Neuss ein gut überwacht­es, qual­i­ta­tiv hochw­er­tiges Lebens­mit­tel sei. Anders als bei den Kreiswerken Greven­broich seien jedoch die Ver­hält­nisse, speziell im Ver­sorgungs­bere­ich Neuss-Nord, durch die vorhan­de­nen und land­wirtschaftlich bear­beit­eten Böden erschw­ert. Dort müsste durch einen teuren Prozess das nitrat­be­lastete Grund­wass­er auf­bere­it­et wer­den.

Ste­fan Alef, Abteilungsleit­er Anla­gen­pla­nung und -betrieb der Stadtwerke Neuss, stellte her­aus, dass durch das anerkan­nte “Neuss­er Ver­fahren” in der Ver­sorgungsstelle Broich­hof ein Drit­tel der Gesamt­wasser­menge biol­o­gisch aufgear­beit­et werde. Der Nitrat­ge­halt werde damit unter dem Gren­zw­ert (und auch auf dem Niveau der 70er Jahre) gehal­ten. Auch seit­ens der Stadtwerke Neuss wür­den Koop­er­a­tio­nen mit der Land­wirtschaft — teil­weise auch im Zusam­men­wirken mit den Kreiswerken — beste­hen. Der Land­wirtschaft wür­den finanzielle Mit­tel ange­boten, um Prob­lem­bö­den im Rah­men ein­er frei­willi­gen Zusam­me­nar­beit mit gün­stigeren Kul­turen bele­gen zu lassen.

Hans Chris­t­ian Mark­ert, grün­er Land­tagsab­ge­ord­neter und Umwel­t­ex­perte, der sich seit Jahren mit dem The­ma Wass­er beschäftigt, hob in der sich anschließen­den Diskus­sion her­vor, dass „ wir seit 20 Jahren den zu hohen Nitrat­ge­halt in unserem Grund­wass­er, ein­er wesentlichen Quelle für unser wichtig­stes Lebens­mit­tel, dem Trinkwass­er, bekla­gen. Der Zusam­men­hang zwis­chen der Überdün­gung unser­er Böden mit Gülle und Min­er­aldüngern durch die indus­tri­al­isierte Land­wirtschaft und den Wass­er-Belas­tun­gen liegt auf der Hand.“

Mark­ert fordert daher zusam­men mit den Kreis­grü­nen: „Nach dem Verur­sacher­prinzip müssen Maß­nah­men ergrif­f­en wer­den, die über Gespräche und Anreize im Rah­men von beste­hen­den Koop­er­a­tio­nen mit den Land­wirten hin­aus­ge­hen.“ Deutsch­land sei im Rah­men eines soge­nan­nten Ver­tragsver­let­zungsver­fahrens inzwis­chen auf europäis­ch­er Ebene verk­lagt. Ohne tief­greifende Maß­nah­men dro­ht­en Strafzahlun­gen von täglich bis zu 800.000 €, die dann wieder von allen Bürger*innen zu leis­ten seien. Mark­ert regt deshalb an, die lan­gangekündigte und von Bun­des-Land­wirtschaftsmin­is­ter Schmidt (CSU) immer wieder block­ierte Dünge-Verord­nung endlich anzuge­hen. Außer­dem dürften aber auch eine Gülle-Abgabe und eine Ein­beziehung der Land­wirtschaft beim Wasser­ent­nahme-Ent­gelt, das die Indus­trie für die Nutzung des Gemeingutes Wass­er zahle, kein Tabu sein. Umgekehrt müssten aber auch die Ver­brauch­er die Arbeit und die Pro­duk­te der Land­wirtschaft wert schätzen. Lebens­mit­telver­schwen­dung und Bil­ligfleisch wür­den nicht von den Land­wirten gewün­scht, son­dern von den Ver­brauch­ern hin­genom­men bzw. nachge­fragt.

Erhard Dem­mer hält die Wass­er-Koop­er­a­tion mit der Land­wirtschaft „derzeit noch als Not­maß­nahme“ für erforder­lich, aber sie sei nicht die Lösung des Prob­lems. „Stellen Sie sich vor, Sie fahren bei Rot über die Ampel und bekom­men dafür noch Zuschüsse“, kri­tisiert er die bish­erige Prax­is der Nitra­tre­duzierung.

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