Viele Emotionen bei Ausstellungseröffnung

Hans Christian Markert, Klaus Emmerich, Peter Immekus, Hans Stenzel (v. l.)
An der Talkrunde nah­men teil: Hans Sten­zel, Peter Immekus und Klaus Emmerich (v. r.). Begleit­et wur­den sie durch die Mod­er­a­tion von Hans Chris­t­ian Mark­ert (l.)

Wisst Ihr noch damals … Unser Revi­er im Wan­del“, so lautet das Mot­to der Wan­der-Ausstel­lung, die die Kreistags­frak­tion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Café der Alten Post in Neuss vorgestellt hat. Mit Ein­blick­en in ver­schiedene Lebens- und Erfahrungswel­ten sorgten die GRÜNEN für emo­tionale Stim­mung, ver­loren dabei aber nicht den Blick nach vorne.

Inten­siv hat­ten Mit­glieder der GRÜ­NEN-Frak­tion Bild­ma­te­r­i­al im Kreis­archiv und in pri­vat­en Alben gestöbert und mit vie­len Men­schen im Revi­er das per­sön­liche Gespräch gesucht.

Wir haben uns mit Respekt und Nach­den­klichkeit der heimis­chen Indus­triegeschichte angenähert“, sagte der stel­lvertre­tende Frak­tionsvor­sitzende Hans Chris­t­ian Mark­ert bei der Begrüßung. „Es gab sehr viele sen­si­ble Momente in den Gesprächen und bei der Zusam­men­stel­lung der Bilder. Diese Erfahrun­gen wollen wir GRÜNE über die engen Revier­gren­zen hin­weg nun in den Rhein-Kreis tra­gen. Deshalb haben wir uns auch für Neuss als Präsen­ta­tion­sort entsch­ieden.“

Der dor­tige Frak­tionsvor­sitzende der GRÜNEN im Stad­trat, Michael Klin­kicht, stellte in seinem Gruß­wort her­aus, dass ein glaub­würdi­ger Wan­del – ob in der Poli­tik, Gesellschaft oder eben Wirtschaft – auch den Mut zu tat­säch­lichen Verän­derun­gen und Abschieden vom Ver­traut­en erfordere. Dies sei oft schmerzhaft, aber auch notwendig.

Die Ausstel­lung zeigt Bilder aus der Zeit zwis­chen 1908 und 1992. Man habe einen Quer­schnitt aus ver­schiede­nen Bere­ichen des Revier­lebens zusam­mengestellt, von der Arbeit im Revi­er über die sich verän­dernde Kul­tur­land­schaft bis hin zum alltäglichen Zusam­men­leben, erläuterte Julia-Kathrin Edel­burg, ein­er der neusten Zugänge der Frak­tion, die zusam­men mit Axel Jens viele Stun­den im Kreis­archiv ver­bracht hat.

Bewusst haben die GRÜNEN ver­sucht, Emo­tio­nen einz­u­fan­gen, um daraus auch Kraft für den gemein­samen Auf­bruch in die Zukun­ft zu sam­meln. Dass dieser Ansatz mit Blick auf den anste­hen­den Struk­tur­wan­del dur­chaus vielver­sprechend ist, zeigte das rege Inter­esse im gut gefüll­ten Café der Alten Post. Der Wille, nun gemein­sam nach vorne zu schauen, war bei der Talkrunde zwis­chen Klaus Emmerich (stel­lvertre­tender Betrieb­sratsvor­sitzen­der Tage­bau), Peter Immekus (Markschei­der) und Hans Sten­zel (Mitwelt-Beauf­tragter des ev. Kirchenkreis­es Jülich) deut­lich zu spüren. Mod­er­a­tor Mark­ert ver­stand es unter dem Stich­wort „Ver­lus­tangst“ seine Gesprächspart­ner einen Bogen von den Sor­gen um die Arbeit­splätze, über die schw­er­wiegen­den Verän­derun­gen in der Natur bis hin zur Auf­gabe von Haus und Grund­stück span­nen zu lassen. Am Ende stand der all­ge­meine Wun­sch der Disku­tan­ten, nun gemein­sam die Zeit nach der Braunkohlever­stro­mung anzuge­hen.

Sehr emo­tion­al wurde es anschließend, als die Kreistagsab­ge­ord­nete Angela Stein-Ulrich anhand ein­er kleinen Foto-Samm­lung der ehe­ma­li­gen GRÜ­NEN-Poli­tik­erin Mag­a­rete Mehl, die selb­st ver­hin­dert war, deren Gefüh­le beim Abschied vom elter­lichen Haus vortrug. Ihr Schick­sal teilt sie mit vie­len anderen Men­schen, deren Heimat dem Braunkohleab­bau weichen musste.

Frak­tionsvor­sitzen­der Erhard Dem­mer erin­nerte daran, dass er mit Mar­garete Mehl am „span­nungs­ge­lade­nen“ Jüch­en­er Parteitag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zu Garzweil­er II teilgenom­men habe und, dass bei­de „wider besseren Wis­sens und trotz ander­er Gefüh­le“ für den weit­eren Braunkohle­tage­bau ges­timmt hät­ten, um die dama­lige rot-grüne Koali­tion nicht platzen zu lassen. 

Mit Robin Jur­mann, dem mehrjähri­gen musikalis­chen Leit­er des Rheinis­chen Lan­desthe­aters, fand die Frak­tion der GRÜNEN einen mehr als würdi­gen Begleit­er am Klavier. Ob Debussys „Ver­sunkene Kathe­drale“ oder Dave Brubecks jazz­ige „Walk­ing Line“ – der musikalis­che Rah­men sorgte für die passende emo­tionale Unter­malung der Ver­anstal­tung.

Let­z­tendlich wich die nach­den­kliche und zwis­chen­zeit­ig hoch emo­tionale Stim­mung zunehmend ein­er Auf­bruch­stim­mung. Ein eben­so bemerkenswert­er wie gelun­gener Ansatz.

Die Ausstel­lung „Wisst Ihr noch damals…Unser Revi­er im Wan­del“ soll nun an ver­schiede­nen Orten im Kreis­ge­bi­et gezeigt wer­den. Sie kann bei der Frak­tion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Rhein-Kreis Neuss ange­fordert wer­den.

Passend dazu, siehe Artikel ” Wan­der­aus­stel­lung zur Um­sied­lung” aus der NGZ (RP) vom 02. April: https://rp-epaper.s4p-iapps.com/article/22be37df45abf26f66f850c5d1d2db42

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