Junge Wähler aus Neuss bereiten sich auf die Europa-Wahl vor: Schüler fühlen Kandidaten vor der Europawahl


Beim „Speed-Dat­ing“ am Beruf­skol­leg Wein­gart­straße kamen sechs Kan­di­dat­en für das Europa­parla­ment mit jun­gen Wäh­lern ins Gespräch – mit über­raschen­dem Effekt.

Wahlkampf funk­tion­iert und lohnt die Mühe. Diese Erfahrung macht­en sechs Kan­di­dat­en für die Europawahl am 26. Mai, die sich am Sam­stagvor­mit­tag den Fra­gen von 64 Schülern und Stu­den­ten am Beruf­skol­leg Wein­gart­straße stell­ten. Denn 47 Prozent der Schüler stimmten nach der Fragerunde für eine andere Partei als vor dem poli­tis­chen „Speed-Dat­ing“. „Erstaunlich“, kom­men­tierte Mar­i­on Wern­er, die Lei­t­erin der Fach­schule für Wirtschaft, das Ergeb­nis. Sie hat­te schon zum vierten Mal vor ein­er Wahl gemein­sam mit der NGZ eine solche Diskus­sion­srunde organ­isiert.

Zu Gast waren Ste­fan Berg­er (CDU), Petra Kam­mere­vert (SPD), Nilab Fayaz (Bünd­nis 90/Die Grü­nen), Moritz Körn­er (FDP), Fotis Matent­zoglou (Linke) und Ver­e­na West­er (AfD), die als Kan­di­dat­en am Nieder­rhein antreten. Das Konzept der poli­tis­chen Flirt-Runde: Im Päd­a­gogis­chen Zen­trum teil­ten sich Schüler und Stu­den­ten in sechs Tis­chrun­den auf, zwis­chen denen die Poli­tik­er alle 15 Minuten wech­sel­ten. Hin­set­zen, vorstellen – und Rede und Antwort ste­hen.

Men­schen miteinan­der ins Gespräch brin­gen und einen Wet­tbe­werb der Ideen und Argu­mente zu ini­ti­ieren, sei Auf­gabe und Inter­esse der Medi­en, nan­nte Chefre­porter Ludger Bat­en als Grund, warum die NGZ gerne Part­ner beim Speed-Dat­ing ist. Auf das hat­ten Mar­i­on Wern­er und Frank Huber die Schüler und Stu­den­ten im Poli­tikun­ter­richt vor­bere­it­et. Mit ein­er Fahrt zum Europa­parla­ment nach Brüs­sel will Huber mit sein­er Klasse das Pro­jekt noch abrun­den. Der­art gut informiert, nah­men die  Schüler die Kan­di­dat­en in die Zange.

Wie ist Ihre Hal­tung zum Artikel 13“, pras­selte es auf Petra Kam­mervert ein, noch ehe sie ihren Stuhl zurechtrück­en kon­nte. Die Ein­stel­lung der Kan­di­dat­en zur umstrit­te­nen EU-Richtlin­ie zu Upload-Fil­tern – ein­er Soft­ware, die Medi­en und Dateien beim Hochladen prüft und gegebe­nen­falls abweist –  war die meist­gestellte Frage des Vor­mit­tags. Ins­beson­dere junge Men­schen empfind­en die geplanten Fil­ter als Zen­sur, die die Frei­heit des Inter­nets gefährdet. „Ich halte Upload-Fil­ter für unver­hält­nis­mäßig“, stimmte ihnen Kam­mere­vert zu, die überdies für einen „europäis­chen Bil­dungsraum“ und die Stärkung der „sozialen Säule in Europa“ warb. Im 15-Minuten-Takt mussten sich Bewer­ber wie Moritz Körn­er den Fra­gen ein­er neuen Gruppe stellen. Dabei kam nie­mand so gut an wie der FDP-Kan­di­dat, den jed­er Zweite wählen wollte. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Punk­ten kon­nte beim The­ma Upload-Fil­ter auch Moritz Körn­er, der seine Vorher-Nach­her-Zus­tim­mungswerte auf 50 Prozent mehr als ver­dop­peln kon­nte. Er fürchtete, dass diese „Fil­ter-Debat­te das Erste ist, was viele junge Men­schen von der EU wahrnehmen“ – und ent­täuscht wer­den. Körn­er warb überdies für einen Aus­bau des Eras­mus-Aus­tausch­pro­gramms, sowie eine gemein­same EU-Außen­poli­tik.

Diesen Punkt führte auch Ste­fan Berg­er in seinem Pro-Europa-Plä­doy­er auf, das die Schüler von dem CDU-Kan­di­dat­en zu hören beka­men. „Auf glob­ale Prob­leme ist Europa die richtige Antwort.“ Sein Argu­ment Pro Upload-Fil­ter – „Europa ist der Kon­tent-Kon­ti­nent und muss den auch schützen.“ – verf­ing allerd­ings kaum.

Als „Aktivist“ sieht sich Fotis Matent­zoglou (Die Linke). Warum man ihn wählen sollte, wollte Besnik Reqi­ca wis­sen. „Wir wollen das Kon­strukt EU so verän­dern, dass es wieder um die Belange der Bürg­er geht“, erwiderte der Kan­di­dat, der dabei an Arbeit­nehmer­rechte und einen europäis­chen Min­dest­lohn denkt. Keines­falls befür­worte er eine Abschot­tung der EU gegen Europa.

Gegen­teiliges ver­tritt die AfD und auch deren Kan­di­datin Ver­e­na West­er. „Die Poli­tik der offe­nen Gren­zen geht so nicht weit­er“, sagte sie und machte sich wenig Fre­unde mit der Forderung, Wirtschafts­flüchtlinge kon­se­quent abzuschieben. West­er sprach sich gegen eine EU als zen­tral­is­tis­chen „Über-Staat“ aus aber für eine Reform der EU.

Als Grund ihrer Kan­di­datur nan­nte die Neusserin Nilab Fayaz das Ziel, die Men­schen zur Teil­nahme an der Wahl zu motivieren. „Ich bin Unter­stützerin“, sagte die Grü­nen-Kreistags-Abge­ord­nete, die ziem­lich sich­er kein Man­dat errin­gen wird. „Wenn Ihr Kli­maschutz wollt, dann ist das mit den Grü­nen zu erre­ichen“, sagte sie. Ihr „Rat“ am Ende war gar nicht parteipoli­tisch: „Lasst Euch nicht bequatschen, informiert Euch — und geht vor allem wählen.“

Quelle:https://rp-online.de/nrw/staedte/neuss/europawahl-2019-schueler-fuehlen-kandidaten-vor-der-wahl-auf-den-zahn_aid-37349637

Let­zter Zugriff: 22.03.19, 14:15h

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