Barrierefreiheit ausbauen und einen Integrationsrat einrichten

„Ein Behinderter, der im Rollstuhl sitzt, kann hier ohne Hilfe nicht hinein“, sagt Angela Stein-Ulrich. Doch bei denkmalgeschützten Häusern wie dem Alten Rathaus ist ein barrierefreier Zugang schwierig. Foto: Sascha Rixkens
„Ein Behin­dert­er, der im Roll­stuhl sitzt, kann hier ohne Hil­fe nicht hinein“, sagt Angela Stein-Ulrich. Doch bei denkmalgeschützten Häusern wie dem Alten Rathaus ist ein bar­ri­ere­freier Zugang schwierig. Foto: Sascha Rixkens

Angela Stein-Ulrich ist seit einem Jahr Behin­derten­beauf­tragte der Stadt Korschen­broich. Sie ist die erste Frau in diesem 2005 ein­gerichteten Amt. Nicht nur bei Neubau­vorhaben im öffentlichen Raum wird sie um ihre Sicht gebeten.

‘Im öffentlichen Raum brauchen wir mehr Bar­ri­ere­frei­heit’, sagt Angela Stein-Ulrich. Sie ist seit einem Jahr Behin­derten­beauf­tragte der Stadt Korschen­broich. In der Sitzung des Rates Ende Sep­tem­ber legte sie ihren ersten Bericht vor, der in der Summe pos­i­tiv aus­fiel. Eine gute Nachricht ist es bere­its, dass die Stadt Korschen­broich über­haupt eine Behin­derten­beauf­tragte hat, denn nicht alle Kom­munen kon­nten Men­schen dafür gewin­nen, sich für die Belange Behin­dert­er einzuset­zen. ‘Es ist frei­willig, und die Auf­gaben übernehmen Ehre­namtler’, sagt Stein-Ulrich. Sie ist die erste Frau in diesem Amt in Korschen­broich, hat aber bere­its zwei Vorgänger. 2005 über­nahm Sieg­bert Schmitz das Amt. Er prägte das Amt des Behin­derten­beauf­tragten bis 2015, als er die Auf­gabe an Bertold Tum­brink weit­er­gab. Und nun, seit 2017, ist Angela Stein-Ulrich zuständig für eine Auf­gabe, für die sie beste Voraus­set­zun­gen mit­bringt.

Vor eini­gen Jahren zog sie von Kaarst nach Glehn um. Zuvor war sie in Neuss beruf­stätig. ‘Ich war im Auf­trag der evan­ge­lis­chen Kirche als Sozialar­bei­t­erin sowie Fam­i­lien­ther­a­peutin tätig und habe die Arbeit­slosen­stelle geleit­et.’ Nun nach 30 Jahren im Beruf kam die Anfrage der Grü­nen, denen sie als Kreistagsab­ge­ord­nete ange­hört, ob sie Behin­derten­beauf­tragte in Korschen­broich wer­den möchte. Sie bewarb sich bei der Stadt und bekam die große ehre­namtliche Auf­gabe. ‘Alles was rechtlich im Sozial­bere­ich zu berück­sichti­gen war, wusste ich. Aber nun kam der ganze Baubere­ich dazu, den ich nicht kan­nte.’ Ein­mal im Monat sitzt sie nun mit Mitar­beit­ern des Bauamtes zusam­men. Sie muss alle öffentlichen Bau­vorhaben bew­erten, ob sie behin­derten­gerecht gebaut wer­den. ‘Das heißt vor allem, dass die Gebäude für Behin­derte, die Roll­stuhl oder Rol­la­tor fahren, unge­hin­dert nutzbar sind.’ Doch bei Wohnge­bäu­den, seien sie auch öffentlich, ist der Bau von roll­stuhlgerecht­en Woh­nun­gen frei­willig. Angela Stein-Ulrich ist stolz darauf, dass auf ihre Anre­gung hin, im Bauge­bi­et Am Holtzkamp in Kleinen­broich, zwei dieser Woh­nun­gen entste­hen. Was bei neuen Gebäu­den möglich ist, wird bei alten Häusern zum Prob­lem. Etwa beim Alten Rathaus an der Regen­ten­straße, das nur über Trep­pen erre­ich­bar ist. Wer dort etwas ändern will, müsste sich mit dem Denkmalschutz stre­it­en. Einen weit­eren Erfolg hat die Beauf­tragte bei den Pla­nun­gen für das neue Korschen­broich­er Feuer­wehrhaus erzielt. Für den geplanten Schu­lungsraum in der ersten Etage ist nun ein Aufzug einge­plant.

Und wom­it beschäftigt sich die Behin­derten­beauf­tragte, wenn sie nicht auf Bau­pläne schaut? ‘Zu meinen Auf­gaben gehören die indi­vidu­elle Beratung am Tele­fon, Haus­be­suche sowie der Kon­takt zu den Behin­dertenein­rich­tun­gen in der Stadt.“ Außer­dem arbeit­et sie mit dem Job­cen­ter zusam­men, um behin­derten Men­schen die Chance auf sozialver­sicherte Arbeit zu ermöglichen. In Korschen­broich sind etwa 3.500 Men­schen betrof­fen, ‘das heißt, sie haben einen Behin­derte­nausweis, der ihnen bescheinigt, dass ihr Grad der Behin­derung bei 50 liegt, also das Leben stark beein­trächtigt. In unser­er Stadt ist jed­er zehnte Ein­wohn­er davon betrof­fen.’ Das kön­nen Men­schen mit ein­er schwieri­gen kör­per­lichen oder psy­chis­chen Erkrankung sein, aber auch Men­schen, die seit ihrer Geburt ein Hand­i­cap haben oder durch einen Unfall an den Roll­stuhl gefes­selt sind. Ihr Wun­sch in Korschen­broich wäre ein Inte­gra­tionsrat, in dem Men­schen mit Beein­träch­ti­gun­gen eigene Inter­essen vertreten kön­nten. Es kann dur­chaus sein, dass dieser Wun­sch in Erfül­lung geht, denn Angela Stein-Ulrich fühlt sich als Behin­derten­beauf­tragte in Korschen­broich ernst- und wahrgenom­men. ‘Ich bin hier sehr gut einge­bun­den.’ ”

Von: Fried­helm Ruf

Aus: https://rp-online.de/nrw/staedte/korschenbroich/behindertenbeauftragte-angela-stein-ulrich_aid-33914023

Zugriff: 24.10.2018 — 13:40 Uhr

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