Stilllegung der Schrottreaktoren in Tihange und Doel

Am 4. Februar beantragte unsere Kreistagsfraktion gemeinsam mit den Linken u.a. der Klage der Städteregion Aachen beizutreten.

 

Sehr geehrter Herr Landrat,
wir bitten Sie, unseren nachstehenden Antrag als Tagesordnungspunkt der Sitzung des Kreisausschusses am 16. Februar 2016 aufzunehmen:
Der Kreisausschuss des Rhein-Kreises Neuss möge beschließen:
1) Der Kreisausschuss bittet die Kreisverwaltung, sich gegenüber der belgischen Staatsregierung und dem Betreiber der Anlagen für die schnellstmögliche und endgültige Stilllegung der atomaren Schrottreaktoren in Tihange und Doel einzusetzen.
2) Der Kreisausschuss begrüßt, dass die Städteregion Aachen nunmehr auch mit rechtlichen Mitteln die schnellstmögliche und endgültige Stilllegung des belgischen Atomreaktors in Tihange 2 erreichen will.
3) Vor diesem Hintergrund spricht sich der Kreisausschuss dafür aus,
a) dieser Klage beizutreten und
b) gegenüber dem Kreistag mit Blick auf die von den genannten Reaktoren ausgehenden Gefahren für die hiesige Bevölkerung das Katastrophenschutz-Konzept darzulegen.

 

Begründung:
Von den genannten Atomkraftwerken geht eine offensichtliche Gefährdung auch der hiesigen Bevölkerung aus. Die Informationspolitik der belgischen Betreiber ist unzureichend. Insofern sollte der Klage der Städte-Region beigetreten werden. Ende 2015 hat die belgische föderale Nuklearaufsichtsbehörde AFCN das Hochfahren der AKWBlöcke Doel 3 (bei Antwerpen) und Tihange 2 (in der Nähe von Lüttich, 60 km westlich von Aachen) dem Betreiber Electrabel genehmigt. Aufgrund von tausenden Rissen in den Reaktorbehältern waren die beiden Reaktoren im März 2014 abgeschaltet worden. Inzwischen vertritt die AFCN die abenteuerliche Auffassung, die Risse seien keine Gefahr für die Sicherheit der Reaktoren und hat das Wiederanfahren unterstützt. Selbst Atomkraftbefürworter halten das für unverantwortlich.
Die Argumentation der AFCN überzeugt angesichts der langen Serie von Sicherheitspannen, Notabschaltungen und anderen Störfällen in belgischen Atomkraftwerken nicht. In den letzten Wochen ist es erneut zu einer ganzen Serie von Pannen und Störfällen gekommen, die zu mehreren vorübergehenden Abschaltungen der genannten Reaktoren bzw. einzelner Blöcke geführt haben.
Offensichtlich geht von den beiden sehr betagten Reaktoren – Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang von Schrottreaktoren – eine fortlaufende Gefahr für die Bevölkerung im Umkreis der Anlagen aus – auch für die Menschen im Rhein-Kreis Neuss. Atomare Strahlung kennt keine Grenzen. Angesichts einer häufigen West- bzw. Südwestwind-Lage wäre auch unser Kreis binnen Stunden von einer radioaktiven Verstrahlung betroffen.
Sorgen bereiten zudem die mangelnde Transparenz und der schleppende Informationsfluss seitens der Betreiber der Anlage. Auch darauf ist die Klage gerichtet.
Angesichts der relativen Nähe des Rhein-Kreises Neuss sollte unser Kreis jederzeit auf einen atomaren Unfall vorbereitet sein. Eine Katastrophenschutz-Übung in der Städteregion Aachen hat im vergangenen Jahr gezeigt, dass die Region einen schwerwiegenden Atom-Unfall weder logistisch noch mit Blick auf die medizinische Versorgung der betroffenen Bevölkerung zu bewältigen im Stande wäre. Nach Auskunft des nordrhein-westfälischen Innenministeriums sind ähnliche Probleme in anderen Kreisen des Landes auch zu erwarten.

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